02.03.2011, Sinai Halbinsel
Es kommt sowieso immer anders als geplant. Eigentlich wollten wir auf dem Weg nach Kairo einen Zwischenstopp am Mt.Sinai einlegen. Allerdings hatte die etwas altersschwache Faehre, die zuvor wohl viele Jahre in Norwegen unterwegs war, keine grosse Eile.
Auch die Behoerden nicht, welche nach Ankunft in Nuweiba ersteinmal 1,5 Stunden das Schiff nach einer Person durchsuchten. So war es bei der Einreise in Aegypten bereits stockfinster. Das verschaffte uns spaeter auf dem Weg einen fantastischen Sternenhimmel, aber von der Landschaft war entsprechend nichts mehr zu sehen.
Aber der Reihe nach. Wer aus dem Hafen von Nuweiba spaziert, hat die Qual der Wahl aus Dutzenden bereitstehender Taxen. Ein paar uebereifrige Fahrer streiten dann darueber, wer der Erste in der Reihe ist und damit einen Anspruch auf den Fahrgast hat. Eigentlich unnoetig zu erwaehnen, dass dies nicht gerade den besten Eindruck auf die Reisenden macht. Zwei Heisssporne hinderten sich dann lautstark gegenseitig am Verladen unseres Gepaecks.
Mohamed, letztlich unser Fahrer fuer ganz Egypten, passte den richtigen Moment fuer einen freundlichen Alternativvorschlag ab. Wenn zwei sich streiten…
Hiro – ein junger Japaner aus Kyoto – haben wir auf dem Boot kennengelernt. Mit ihm teilten wir uns das Taxi und entschieden gleich bis Suez zu fahren. Auf dem Weg passierten wir sicher ein halbes Dutzend Kontrollpunkte, welche sich von unserem Besitz eines Passes ueberzeugen wollten. Suez liegt … ja, am Suezkanal. Die Stadt erlebte (lt. spaeteren Aussagen unserer Gespraechspartner) ebenfalls sehr grosse Demonstrationen in den vergangenen Wochen. Die Militarpraesenz scheint aber auch grundsaetzlich – ob der strategischen Bedeutung des Kanals – etwas hoeher zu sein.
So wurden wir dann auch vor der Fahrt durch den Kanaltunnel mal ansatzweise ordentlich gefilzt. Manche Gepaeckstuecke wurden durchsucht, andere wiederum nicht. Wahrscheinlich war das Klebeband auf den defekten Verschluessen des Koffers zu umstaendlich zu oeffnen. Der Kommandant bat mich zusaetzlich noch um eine kleine Diashow auf meinem Fotoapparat. Er war im Ernst darueber besorgt, ich koennte die militaerischen Anlagen des Suezkanals fotografiert haben. Ich glaub die Bilder von Wadi Rum und dem Roten Meer haben ihm gefallen. Insgesamt aber freundliches Militaerpersonal, selbst der Kommandant entschuldigte sich nochmal direkt bei uns bezueglich der Verzoegerung.
Generell bedenklich, wenn das Militaer im eigenen Land fuer Polizeiarbeit eingesetzt wird – allerdings haben sich viele Polizisten in den letzten Wochen nicht mehr blicken lassen. Interessant wird es zu sehen, welche Rolle das Militaer in Zukunft in Aegypten einnehmen wird.
Als wir dann den naechsten Tag ab Suez weiterfuhren, hatte es sich mit den Kontrollpunkten erledigt… nur Mohamed unser Fahrer kam mehr und mehr ins Schwitzen. Der chaotische Grossstadtverkehr von Kairo und die Suche nach unserem Hotel waren etwas zu viel fuer ihn. Nicht nur einmal lobpreiste er die Ruhe der Sinai-Halbinsel.
Fliegen kann dagegen doch nur langweilig sein, oder?


