Nach Teil 1 mit der kurzen Übersicht zum MOGDy Barcamp in München, heute ein paar Mitschriften und Kommentare zu den Diskussionsrunden.

MOGDy Herzl
“Anwendungen oder Schnittstellen (APPs oder APIs)?”
Da ich mich auch schon eine Weile mit dem Thema beschäftige und die Diskussion bereits in diversen Beiträgen auf der Diskussionsplattform aufkam, habe ich als Thema für eine Diskussionsrunde “APPs oder APIs bereitstellen?” vorgeschlagen. Diese Entscheidung hat Auswirkungen nicht nur auf die Erstellung, Betrieb, Weiterentwicklung und Vermarktung, sondern auch auf das gesamte Ökosystem zwischen Stadt und (regionalen) Entwicklern und Firmen (Achtung, “APPs” soll nicht ausschließlich für mobile Anwendungen, sondern als Gesamtbegriff für Anwendungen auf beliebigen Geräten stehen).

APPs (Photo by flickr:smemon87)
Die Ergebnisse haben wir an dieser Stelle ausführlich zusammengefasst. Unter diesen Aspekten muss z.B. auch der mit dem ersten Preis prämierte Vorschlag “FixMyStreet für München” betrachtet werden: Philip Ashlock von http://open311.org/ verweist in einem Kommentar auf die Bemühungen, zu diesem Thema eine offene Webschnittstelle zu entwickeln.
Die 311 steht für die amerikanische Version der Telefonnummer, die in Deutschland gerade als D115 neu eingeführt wird. Der Link für auf eine Webseite die erklärt, wie Bürger wo anrufen können. Sein Anliegen aber direkt loswerden – das geht auf der Webseite aber nicht :/
Die Kostenfrage
Ein ausführlich diskutierter Punkt in der Runde war die Kostenfrage. Es benötigt in Zukunft eine Plattform, die einheitliche Schnittstellen zu verschiedensten Datentöpfen der Stadt bereitstellen soll. Diese sollten ordentlich dokumentiert und übersichtlich in einer Art Katalog aufgeführt werden. Heute werden – wenn überhaupt – hauptsächlich einzelne Dateien zum Download bereitgestellt.
In einem OpenData Ansatz sehe ich in Zukunft mehr und mehr Webservices, die auch zunehmend Systemlast generieren werden. Es müssen für die professionelle Nutzung Servicelevel definiert (und eingehalten), Nutzungsbedingungen erarbeitet und Zugriffe verwaltet werden. Zudem wäre es sicher auch gut, wenn die Plattform kontinuierlich weiter ausgebaut werden würde.
Insofern habe ich die Position vertreten, dass ruhig auch mal über ein sinnvolles Kostenbeteiligungsmodell nachgedacht werden sollte – wohlgemerkt für die Bereitstellung möglichst aktuellster Daten über Webserviceschnittstellen. Für die Erfassung vorliegender Daten wurden bereits Steuergelder verwendet.
In Zeiten klammer Kassen konkurrieren moderne Ideen – wie OpenData, OpenGovernment – allerdings mit den bereits knappen Budgets anderer städtischer Ausgaben. Eine kurze Recherche zeigt, dass an vielen Ecken immer mehr gespart werden muss. Alle Artikel sind aus dem Januar 2011:
Ehemalige Hauptstadt spart sich die Kultur – Bonn packts weg (TAZ)
Stadt startet Sparaktion – Bonn packts an (General Anzeiger Bonn)
Stadt Sulzbach – Bürgermeister plant Sparprogramm (Saarbrücker Zeitung)
Das doppelte Defizit – Uelzen (AZ Online)
Duisburger Haushaltsentwurf 2011 – Millionen müssen eingespart werden (RP online)
Pfullendorf – Bürger können Sparvorschläge machen (Südkurier)
Leverkusen – Stadtschulden steigen rasant (RP online)
usw. usf.
Nun kommen wir mit neuen modernen Vorschlägen zu OpenData, die ebenso finanziert werden wollen. Ich stimme allen Argumenten zu, die von Kosteneinsparungen in der Verwaltung durch OpenData sprechen. Ich bin auch – ohne es selbst genau ausrechnen zu können – ziemlich überzeugt davon, dass der volkswirtschaftliche Nutzen auf lange Sicht höher als ggf. zusätzlich anfallenden Kosten sein wird.
Allerdings sind wir unserer Diskussion auch zu dem Fazit gekommen, dass der Weg zu OpenData schneller und mit weniger Widerstand von statten gehen könnte, wenn es Ideen für eine – zumindest teilweise – Refinanzierung gäbe. Daher haben wir in der Zusammenfassung unserer Diskussion empfohlen zu prüfen, ob nicht zumindest erfolgreiche kommerzielle Nutzer von OpenData zur Refinanzierung beitragen könnten. Dafür könnte ein Freemium Modell entwickelt werden, damit frühe Geschäftsideen und geringe Nutzung der Plattform kostenfrei bleiben und somit die Kreativität für die Entwicklung innovativer Dienste nicht zu sehr eingeschränkt wird.
Ich bin mir darüber bewusst und habe erlebt, dass dieser Punkt sehr intensiv und kontrovers diskutiert werden kann. Vielen Dank an dieser Stelle an die gesamte Diskussionsrunde, insbesondere auch an Lorena Jaume-Palasi und Daniel Dietrich
Update 27.01.2011: Hier gehts zum Teil 3 MOGDy Teil 3 – Freies WLAN für München – OpenData und die Lizenzen