Vorwort
Kürzlich habe ich in einem Google+ Kommentar meine Freude über den Pinterest Hype kundgetan. Neben der Freude über neue interessante Dienste auch aus einem ganz bestimmten weiteren Grund: Ich hoffe nämlich, dass dadurch verstärkt nach Lösungen für die Urheberrechte Problematik gesucht wird.
Ganz wichtig – eine weiterentwickelte “Fair Use” Regelung nach dem Vorbild des US-amerikanischen Copyright wäre mir lieber. Über gesunden / gebildeten Menschenverstand auf Basis von Fairness lassen sich langfristig bessere Lösungen finden, als mit veralteten Gesetzen und starren Regelungen.
Mir wäre es zudem auch lieber, es wären deutlich mehr Inhalte frei teilbar. Aber solange Urheber diese nicht freigeben, gelten bestehende Rechte. Da kann nur Überzeugungsarbeit bei den Urhebern etwas zum Positiven verändern. Dazu möchte ich auch wiederholt meine Buchempfehlung zu “Freie Kultur” von Lawrence Lessig geben.
Smarte Lösungen dringend notwendig
Ursachen für zunehmende Urheberrechtsprobleme sind sowohl ein veraltetes Urheberrecht – gleichzeitig aber auch fehlende technische Weiterentwicklungen. Wir benötigen dringend schlaue Lösungsansätze – das Resultat könnten ansonsten verschärfte Gesetze á la ACTA sein. Das kann nicht in unserem Interesse sein.
Das sich das Problem auch ohne eine Beschneidung von Freiheitsrechten lösen lässt, werde ich im letzten Teil der Serie beschreiben.
Die Hürden des Urheberrechts im Alltag (CC BY 2.0 wseltzer @flickr)
Wichtig vorab: ich bin kein Rechtsanwalt – die rechtliche Betrachtung ist also eher Level interessierter Laie. Mein Anliegen ist es, dass auch schlaue technische Lösungen helfen können, die Situation zu entschärfen. Da schaue ich mit dem Blick eines Wirtschaftsinformatikers drauf
Im Internet wird pausenlos gegen das Urheberrecht verstoßen
Das stimmt leider. Aber es geschieht oft nicht aus böser Absicht und vielmals auch zwangsläufig. Ganz grob gibt es vielleicht drei Gruppen an Urheberrechtsverstößen im Internet:
- (Wissentliches) Verstoßen gegen Urheberrecht beim Herunterladen von (offensichtlich) geschützten Inhalten (z.B. Musik, Filme über Tauschbörsen)
- (Wissentliches oder unwissentliches) Verstoßen gegen Urheberrecht z.B. auf Grund unklarer oder fehlender Lizenzbedingungen (z.B. Verwendung von falsch deklarierten Bildern oder aus unklarer Herkunft)
- Zwangsweises (wissentliches oder unwissentlichen) Verstoßen gegen Urheberrecht auf Grund mit neuen Webkonzepten inkompatibler Lizenzmodelle
Darüber werden teils heftigen Diskussionen geführt. Vermutlich auch, weil die unterschiedlichen Parteien oft Beispiele aus verschiedenen Kategorien vor ihrem geistigen Auge haben.
Siehe die Causa Kauder: der Politiker hatte 2011 Internetentzug bei wiederholten Urheberrechtsverstößen (siehe obige Kategorie 1) gefordert, vermutlich zur selben Zeit aber durch die Verwendung nicht lizensierter Bilder (siehe obige Kategorie 2) gegen aktuelles Recht verstoßen. In dieser Artikelreihe soll es aber allein um die Problematik der Kategorien 2 und 3 gehen.
Ursachen des Problems
Eine Großteil des Problems wird verursacht, weil es für viele Medien im Netz (Texte, Bilder, Videos, Rezepte …) heute entweder a) gar keine bzw. falsche oder b) nicht maschinenlesbare Informationen über die Lizensierung und damit eine mögliche Weiterverwendung gibt.
Gegen a) keine oder falsche Informationen kann nur der Urheber (oder der Bereitsteller) etwas unternehmen. Leider wird er beim Publizieren in Sachen Lizensierung durch aktuelle Content Management Systeme oft nur schlecht bzw. überhaupt nicht unterstützt. Ausnahmen sind spezialisierte Dienste, wie z.B. YouTube oder Flickr, die dem Anwender zumindest eine teilweise Auswahl an unterschiedlichen Lizensierungen anbieten.
Auch wenn die Lizenz festgelegt wurde, gibt es weitere Fehlerquellen für Lizenzverstöße in der Kategorie 2. Diese liegen in den oft b) nicht bereitgestellten, bzw. nicht ausgewerteten maschinenlesbaren Lizenzinformationen. Wenn diese beim Teilen von Medien nicht vorliegt, muss der Nutzer entscheiden, ob und wie er Medien weiterverwendet.
Es wäre aber vermessen zu erwarten, dass jeder Internetnutzer Experte im Bereich Lizenzrecht ist bzw. in Zukunft sein wird. Fehler passieren dadurch zwangsläufig in großer Vielzahl.Intelligente Lösungen müssen den Nutzer beim richtigen Weiterverteilen von Medien unterstützen.
Ansonsten wird es weiterhin massenweise unbewusste Verstöße gegen das Urheberrecht geben, welches der Abmahnindustrie täglich neue Fälle liefert. Nutzern der Dienste drohen dann verstärkt Abmahnungen. Das Problem ist bekannt, auch die Verbraucherzentralen engagieren sich für den Stopp dieser Industrie.
Ausblick auf den zweiten Teil
Der Lesezeichendienst von Pinterest steht derzeit im Rampenlicht. Nutzer sammeln ihre “Pins” in Form von Bildern der jeweiligen Webseite öffentlich in ihrem Pinterest Account. Das ergab ein lauten Aufschrei unter Rechteinhabern, die sich dadurch bestohlen fühlen. Das Problem ist an sich nicht neu – auch die Google Bilder Suche war davon schon betroffen. Pinterest bietet ein “Opt-out” für Rechteinhaber an – ist das wirklich eine praktikable nachhaltige Lösung?
P.S. Sorry – auch mein Blog stellt noch keine maschinenlesbaren Lizenzbedingungen zur Verfügung. Aber alle meine eigenen(!) Inhalte stelle ich derzeit mindestens unter der CC NC SA 3.0 Lizenz zur Verfügung. Andere Inhalte sind gekennzeichnet.
Über die richtige Lizenz muss ich im Verlauf meiner Artikelserie nochmal nachdenken. Vielleicht ist sie ja noch zu restriktiv…