Diagnose “Vorzeitiger Ankündigungserguss”
Die Kommunikationspolitik der meisten Technikhersteller ärgert mich schon eine Weile. “Vorzeitiger Ankündigungserguss” wäre denk ich eine passende Diagnose. Da werden Produkte schon frühzeitig vor Verfügbarkeit angekündigt. In allen Details, mit allen Features und sogar voraussichtlichen Preisen.
Nur wird es noch Monate dauern, bevor auch wirklich geliefert wird.
Als Kunde wird bei mir ein Kaufreiz – ein Habenwollen – erzeugt. Verschiedenste Technikblogs berichten darüber. Allerdings werden die Gadgets dann auch auf Basis der Spezifikationen bewertet und teilweise zerissen – noch bevor jemand das Gesamtkunstwerk überhaupt in den Händen halten durfte. Sehr ungeschickt!
Was passiert danach?
Meisten schau ich dann so einmal, zweimal nach, ob denn ein Verfügbarkeitsdatum bekannt wird. Irgendwann ist meine Checkliste übergelaufen und eines der ersehnten Gadgets purzelt von der Liste. Noch schneller geht das, wenn der Hersteller ein Serientäter ist und den Nachfolger schon vor der Verfügbarkeit des eigentlichen Produktes ankündigt.
Liebe Hersteller, habt Ihr schon mal erlebt, dass Presse oder Blogger darüber jubeln (geschweige denn schreiben), wenn ein lange angekündigtes Produkt dann auch wirklich verfügbar ist?
Meine persönliche Liste nicht gekaufter Gadgets
Ich habe dieses Jahr auch hin und wieder das kurzfristige Verlangen nach einem neuen Gadget verspürt. Folgende Produkte haben es bis heute nicht zu mir geschafft, da sie nicht zum richtigen Zeitpunkt verfügbar waren:
- ASUS EEE Pad Transformer … hat gefühlt Monate gedauert, habe die Verfügbarkeit nicht mitbekommen und da war bereits der Nachfolger (das Prime) angekündigt
- Samsung Galaxy Tab 10.1 … hier hat primär Apple mit recht fragwürdigen Klagen dafür gesorgt, die Verfügbarkeit hinauszuschieben
- Archos G9 Tabletts … ebenfalls viel zu früh angekündigt. Mittlerweile von Android Ice Cream Sandwich überholt. Das ist das neue Mindestkriterium.
- Archos Smart Home Phone … Android 2.2 geht leider gar nicht mehr.
- Sony Reader … auch hier, viel zu früh zu viel angekündigt – zu wenig verfügbar.
Die Liste ist nicht vollständig.
Vorteil Kunde
Was ist das Ergebnis? Meist stelle ich Wochen später fest, dass ein Produkt welches mich früher interessiert hat, plötzlich verfügbar ist. Leider ist meine Begeisterung bis dahin längst unter den Mindestlevel für einen Spontankauf gesunken.
1.) Gut für mein Budget, denn so kauf ich wirklich nur wenn der Bedarf wirklich schmerzt. Keine “Wäre schön zu haben” sondern nur noch “Muss jetzt tatsächlich ersetzt werden” Produkte.
2.) Wenn es tatsächlich ersetzt werden muss, reicht dann meist auch das etwas ältere – aber mittlerweile – wegen dem angekündigten Nachfolger – deutlich günstigere Produkt.
Nachteil Hersteller
Tja liebe Hersteller, ohne wirklich liefern zu können kosten Euch Eure Produkterneuerungsorgien und Eure Geschwätzigkeit jede Menge Geld und reduzieren vermutlich gar Euren Umsatz. Dadurch sind Produkte nur noch wenige Wochen nach Verfügbarkeit überhaupt noch interessant. Ihr arbeitet eh längst an dem Nachfolgenachfolger… Geht mal zum Arzt und lasst Euch behandeln!
Ich sag es nicht gern, neben Apple fallen mir im Telekommunikations / IT / Hardware Umfeld für Privatkunden spontan keine weitere Firma ein, die das nur halbwegs so verlässlich (angekündigt -> verfügbar, es gibt jetzt erstmal nur dieses Gerät in den nächsten Monaten) hinbekommt.
Fragt mal zum Spaß ganz normale Leute, welches iPhone derzeit aktuell ist. Und gleich danach, welches HTC oder Samsung Gerät. Drastisch dargestellt hat das übrigens TheVerge im Beitrag “A good smartphone comes but once a year”. Die Produktflut von HTC verwässert das Portfolio enorm. Mehr ist nicht automatisch besser. Wobei ein bisschen Vielfalt aus meiner Sicht sicher besser ist, als ein einziges aktuelles Modell welches für alle Kunden passen soll.
Mein Fazit
Hersteller verschenken jede Menge Buzz, wenn sie ihre Produkte zu früh ankündigen. Es wird ein Kaufreiz ausgelöst, der nicht befriedigt werden kann. Möglich, dass der potentielle Käufer in der Zwischenzeit interessante Alternativen findet. Oder eben gar nicht kauft und ein paar Etappen auslässt…
P.S.: Man verzeihe mir meinen Artikel. Wahrscheinlich haben sich die Hersteller schon etwas dabei gedacht. Es geht ja um eine Menge Geld. Ich würde gern verstehen, warum sie so eine Strategie fahren…
Welche Produkte hättet Ihr dieses Jahr gekauft? Wenn sie zum Zeitpunkt des Kaufwunsches verfügbar gewesen wären?
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Bild CC-BY-SA 2.0 (Bestimmte Rechte vorbehalten) von heipei




