QR Codes auf der Verpackung von Lebensmitteln – manchmal trügt der erste Eindruck

Ich freu mich immer darüber, wenn ich Anzeichen für mehr intelligente Verknüpfung zwischen Online und realer Welt sehe. Habe selbst lang genug Business Development für “AutoID” und “Traceability” betrieben.

Verpackung mit QR CodeVor ein paar Wochen, kam mir diese Verpackung für Bio-Hähnchenleber in die Hände. Denke mir: Vorbildlich – der QR Code verweist hoffentlich auf weitere Informationen zur Herkunft. Ich war gespannt, welche Details verfügbar sind. Der QR Code zeigte auf diese Webseite des Herstellers mit aktuellen Informationen mit Chargennummer, Erzeugerbetrieb etc.

Guter Ansatz! Habe selbst öfters auf das Problem fehlender Transparenz in der Lebensmittelproduktion hingewiesen (“Dioxin Eier”“EHEC”). Der Hersteller selbst schreibt: “Unser ganzheitliches Konzept und die ‘Gläserne Produktion’ garantieren eine lückenlose Rückverfolgbarkeit vom Brutei bis hin zum verpackten Lebensmittel”. (Quelle)

Aber etwas irritierte mich dabei: Der QR Code ist direkt auf der Verpackung aufgedruckt, während Preis, Gewicht etc. als Aufkleber aufgebracht wurden. Merkwürdig – die Verpackungen werden doch ganz sicher nicht wöchentlich neu gestaltet?

QR Code auf Lebensmittelverpackung 2Das ist aus meiner Sicht schon problematisch. Der QR Code beinhaltet eine fest codierte URL:

http://www.freiland-puten.de/barcode-herkunftsnachweis-haehnchen.html

Der Inhalt der Webseite wird dann einfach einmal in der Woche ausgetauscht. Wer die Produkte nicht sofort verbraucht, erhält auf die Webseite Informationen über ein aktuelleres Produkt.

Aufdruck Lebensmittelverpackung

So dann wird aus der Bio-Hähnchenleber der Charge 11.H.33 eines Lieferanten aktuell in dieser Woche Hähnchenfleisch eines anderen Lieferanten (immerhin gibt es dann doch noch die Möglichkeit, die Charge auch manuell einzutippen).

Mehr für die Transparenz zu tun ist absolut begrüßenswert! 

Aber: Der QR Code und die aufgerufene Seite vermitteln einen falschen Eindruck – es suggeriert Genauigkeit. Besser wäre es, der QR Code wäre auf dem Aufkleber aufgedruckt und beinhaltet auch die tatsächliche Chargennummer. Im Falle eines möglichen Rückrufs könnte es sonst ordentlich Verwirrung geben.

EHEC – Gemüse, Fleisch, Terroristen… oder vielleicht doch Biogasanlagen? Oder: Sprossen?

Derzeit zittern wahrscheinlich nicht Wenige in der (Land)wirtschaft. Auf wen wird die Schar der Experten und Institute auf der Suche nach der Ursache der EHEC Infektionen wohl als nächstes zeigen? Untermauert mit Bekräftigungen – wie “möglicherweise”, “denkbar”, “vorstellbar” – werden regelmäßig neue Verdächtige präsentiert und kurz darauf wieder ausgeschlossen:

UPDATE: seit Nachmittag 5.Juni 2011 stehen nun Sprossen unter Verdacht…
UPDATE: seit Mittag 6.Juni 2011 gibt es wieder Zweifel an der Sprossen Theorie

Es herrscht die “totale EHEC Verwirrung“(Morgenpost Hamburg). Keiner weiß wirklich etwas belegbares -aber es wird wild spekuliert: Nun sind eventuell Biogasanlagen Schuld (FTD). Auch diesmal – ist nix belegt, wäre aber denkbar.

Aber Achtung – passen wir diesmal genau auf was weiter passieren wird.

  • Sollte die Quelle gefunden werden: wie lange wird es dauern um herauszufinden, welche Lebensmittel davon betroffen sind?
  • Wie lange wird es dauern, bis die jeweiligen Chargen in den Märkten lokalisiert und aussortiert wurden?

Es wird auch dauern, weil noch immer keine Transparenz in unseren Lieferketten herrscht. Der letzte Skandal (“Dioxin Eier“) ist dabei erst knapp ein halbes Jahr alt. Es wird wieder gefragt werden:

“Wäre der <NAME HIER EINFÜGEN> Skandal vermeidbar gewesen?”

Wahrscheinlich nicht. Aber hoffen wir, dass sich diesmal die Beschwichtiger (“Bitte kein Aktionismus im Dioxin Skandal!“, FTD) zurückhalten werden. Ansonsten müssen wir sie bloßstellen: Es gibt Lösungen für mehr Transparenz und Sicherheit für Lieferketten. Lassen wir uns diesmal nicht einfach so abspeisen. Der nächste Skandal kommt sicher.

P.S.: Zur Rehabilitierung der Spanischen Gurken wurde bereits – natürlich, was sonst – eine Facebook Fanpage gegründet.

Facebook Fanpage zur Rehabilitation Spanischer Gurken

FB Fanpage zur Rehabilitation Spanischer Gurken

Das 18.Mitglied der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft – WIR!

Interessante Hampelei in der I+K-Kommission im Deutschen Bundestag (“Kommission für den Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechniken und -medien”):

Lt. einem Artikel von netzpolitik.org ist durch ständige Einwände und Diskussionen über Sinn und Zweck einer öffentlichen Diskussionsplattform soviel Zeit verstrichen, dass jetzt deren Umsetzung abgelehnt wurde. Dennoch wurde jetzt in kurzer Zeit und Eigenregie eine Plattform für das 18.Mitglied der Enquete-Kommission aufgesetzt.

Auf http://eidg18.liqd.net/instance/eidg18 kann jeder mitwirken. In München gab im Rahmen von #Mogdy über 400(?) Teilnehmer auf dieser Plattform – bin gespannt, wieviele das Deutschlandweit werden können und wie sich das auf die Qualität auswirkt. Ein Versuch ist es allemal wert. Daher: bringt Eure Ideen für die Unterstützung der Gesellschaft mit Hilfe von Internet und digitalen Medien ein. Oder einfach andere Ideen bewerten und kommentieren…

IBM Videos zum Thema “Nachverfolgung in der Lebensmittel-Lieferkette”

Nachdem ich in meinen Beiträgen:
Lebensmittelskandal pusht Mobile Scanner App… und
{Dioxineier, Gammelfleisch, … } Skandal – mehr Kontrollen als Lösung? Wir brauchen mehr Transparenz.
bereits zum Thema geschrieben habe – hier zur Visualisierung zwei IBM Videos. Das erste ist bereits 2 Jahre alt – ein Hühnchen, welches den Notruf wählt, weil es gerade in einem Truck vergammelt:

Das zweite noch nicht ganz so alt (etwas mehr Hochglanz, weniger Informationen als das erste) hat auch als Thema Nachverfolgung von Lebensmitteln für mehr Qualität und Sicherheit:

Keine Frage, saubere Produktion steht an erster Stelle. Allerdings muss ausgeschlossen werden, dass “schwarze Schafe” der Gier wegen oder aus Blödheit (beides schlimm genug) unerkannt und schlecht nachvollziehbar Müll und Gift ins Essen mischen. Es muss in Zukunft auch schneller gehen, betroffene Nahrungsmittel zu identifizieren (“auf Knopfdruck”). Wie das alles ausgestaltet wird, muss sicher noch ausführlich besprochen werden – technisch ist vieles heute schon möglich und umsetzbar.

Lebensmittelskandal pusht Mobile Scanner App…

Es ist ja nicht so, dass es erst seit jetzt mobile Anwendungen (“Apps”) zum Scannen von Informationen zu Lebensmitteln und Produkten gibt. Auch wenn die heutigen Nachrichten im Netz den Eindruck erwecken (z.B. auch in einem Blogbeitrag von Netzwelt).

Schade aber, dass es erst einen Skandal braucht um zu verstehen welches Potential im “Internet-of-things” steckt:

Auch als Konsument mehr Informationen über Produkte zu erhalten als bisher.

Barcoo – hat das Thema m.E. sehr gut genutzt, um die technischen Möglichkeiten in die Öffentlichkeit zu bringen und greifbar zu machen. In Zukunft müssen aber weitere zusätzliche Informationen eingebunden werden, z.B. Informationen zu Inhaltsstoffen – Stichwort: Allergien. Dafür müssen aber weitere Informationen miteinander vernetzt werden. Wie beschrieben in meinem letzten Post zum Thema mehr Transparenz.

Wer mal einen QR Code probieren möchte: