Flut in Dar es Salaam – … und keiner bekommt es mit?

Kurz vor Weihnachten versinken große Teile von Dar es Salaam in heftigen Regenmassen. Die schlimmste Flut seit fast über 50 Jahren (1954). Zum Vergleich: die Stadt wäre mit seinen knapp 2,7 Mio. Bewohnern die zweitgrößte Stadt in Deutschland. Dennoch – in unseren Medien war darüber bisher nichts davon zu hören. Wie kann das sein? Warum interessiert sich niemand dafür? Alle Redaktionen im Weihnachtsurlaub?

Die Suche in Google News nach “Flut Dar es Salaam” brachte keine Ergebnisse. Ich habe davon über eine Freundin auf Facebook erfahren. Es empfiehlt sich, diesen Blogbeitrag von Amy Faust zu lesen: “Dar es Salaam – Underwater and Underreported”. In dem Artikel gibt es weitere Links zu Informationen. Es empfiehlt sich auch das hashtag #darfloods auf Twitter zu verfolgen. Weitere deutsche Blogs, die über die Katastrophe berichten:

Lt. diesem Artikel ist der Regen ist noch nicht vorbei und die Lage bleibt weiter kritisch.

Überschwemmung im Kigogo Valley, Dar es Salaam (Foto: Kassim Mbarouk)

Überschwemmung im Kigogo Valley, Dar es Salaam (Foto: Kassim Mbarouk) from http://www.kawaida.de

Janne Börold – Studentin für Rescue Engineering der HAW – ist derzeit vor Ort und berichtet über die Herausforderungen mit der Flut und wie ganz konkret geholfen werden kann.

Bitte denkt daran… spendet lieber dafür, dass Feuerwehrleute in Tansania in Zukunft besser vorbereitet sind. Bitte helft damit Menschen in Not, anstelle das Geld zum Jahresende in die Luft zu ballern.

Schuld: Nahrungsmittelspekulationen und die grausamen Effekte

Das Zentrum für politische Schönheit veröffentlichte in den letzten Tagen einen Film über die Effekte von Nahrungsmittelspekulationen. Interessant gemachte Dokumentation der Hintergründe. Zu Wort kommt auch der Pressesprecher der Deutschen Bank (Minute 6:20). Dabei wird der “schwarze Peter” hin- und hergeschoben… Schuld daran seien angeblich die Afrikaner selbst.

Kurzfristig dachte die Bank wohl daran, das Video mit dem Verweis auf rechtliche Bedenken bezüglich des Mitschnitts des Gesprächs mit dem Pressesprecher(!)  entfernen zu lassen. Hätte einen schönen Streisand Effekt provoziert. Mittlerweile distanziert sich die Bank von den Aussagen Ihres Pressesprechers.

Genug der Vorrede, hier der Film in voller Länge (16:49) mit verschiedenen interessanten Gesprächspartnern:

Filmempfehlung: Home (von Arthus-Bertrand) u.a. mit Flug über Massai Dorf

Bin heute abend eher nochmal zufällig auf den Film Home von Yann Arthus-Bertrand gestossen. Wer in noch nicht gesehen hat, unbedingt mal 1,5 Stunden Zeit nehmen, den gibts in 720p Qualität auch auf YouTube zu sehen. Sehr schöne Bilder aus der Luft auf unsere Erde.

Sehr interessant fand ich auch den Blick auf ein Massai Dorf bei ca. 15:44. Diese haben wir 2008 in Tansania auch gesehen, aber eben nicht von oben… Der Aufbau des Dorfes inkl. Platz für die Tiere und die Umzäunung mit Dorn Büschen ist – so habe ich damals verstanden – zum Schutz vor wilden Tieren gedacht.

httpv://www.youtube.com/watch?v=IbDmOt-vIL8

Unbedingt mal anschauen! Am Besten mal direkt vor Ort…

Leseempfehlung: We_africa Magazin

Ich muss Euch ein interessantes Magazin ans Herz legen: “We_africa” beschreibt in mehreren interessanten Geschichten aktuelle Entwicklungen in Afrika. Hab selbst noch nicht alles lesen können, es sind aber sehr interessante Geschichten dabei, die mich an meinen Aufenthalt in Tansania und meine Recherchen in Sachen Entwicklungshilfe erinnern.

Change has a name: Mobile. Der Artikel erinnert mich an unsere Erfahrungen und kleinen Recherchen in 2008 (Teil1, Teil2) und viele Diskussionen die ich über die Dringlichkeit / Notwendigkeit von Internet in Afrika erlebt habe. Ich bin der Überzeugung, dass Wissen und der Zugriff darauf Schlüssel zur Lösung vieler Probleme sind. Insofern ist der Zugriff auf Kommunikationsmittel und Internet aus meiner Sicht genauso wichtig wie sauberes Wasser und Lebensmittel…

If you want to know about Africas Future – Ask China! Spannender Artikel über Chinesische Investments in Afrika. Darüber lässt sich ausführlich diskutieren – besonders über die Verträge, Bedingungen und den langfristigen Nutzen.

Wer aber würde solche Verträge unterschreiben, wenn er bessere Alternativen hat? Leider hab ich noch nicht herausgefunden, wie hoch die Investments aus z.B. europäischen Ländern sind.

Zuletzt noch der Tipp für Africa is not a Country! Habe selbst in vielen Gesprächen festgestellt, dass Afrika für viele scheinbar eine große homogene Einheit zu sein scheint. Unterschiede zwischen den Ländern sind wenigen bekannt – dabei sind die Unterschiede teilweise sehr gravierend. Unterschiede lassen sich mit Fakten belegen – http://www.gapminder.org ist ein Projekt, welches sich damit befasst.

Das soll es erst einmal gewesen sein. Wer das gesamte Magazin am Stück lesen möchte – das gibts als Scribd:

We Magazine Africa

Moskito per Laser abschießen

Auf Engadget gefunden…

Ein sehr technischer Ansatz im Test: Moskitos per Laser abschiessen. Hört sich erstmal nach einer technischen Spielerei an, es stecken ernsthafte Bemühungen dahinter. Intellectual Ventures beteiligt sich damit im Auftrag der Bill and Melinda Gates Foundation, welche sich u.a. den Kampf gegen Malaria als Ziel gesetzt hat. Das es dennoch ein wenig dauern wird und die Unterstützung anderer bedarf, steht in diesem Frage/Antwort PDF.

Wer mit Moskitos schlechte Erfahrung gemacht hat, findet vielleicht durch dieses Video etwas Genugtuung.

httpv://www.youtube.com/watch?v=eYXPqrXZ1eU&feature=player_embedded

Präsentation auf der Socialbar in München – 27.08.2009

Letzten Donnerstag habe ich auf der SocialBar in München mal einen 15 min Schnellüberblick über das Programm und meine / unsere Erlebnisse in Tansania gegeben…
Die Slides und Audio sind anbei.
[slideshare id=1922071&doc=ibmcorporateservicecorps-socialbarmnchen-090828201925-phpapp01]
(Danke an Thomas Schoenweitz alias @netsaver für die Bearbeitung.)

Afrika. Stolz & Vorurteile

Obwohl ich es noch nicht ganz durchgelesen habe, kann ich das Afrika Spezial von Le Monde diplomatique absolut empfehlen. Aus verschiedenen Blickwinkeln wird über die aktuelle Situation und durchaus auch kritisch über Entwicklungspolitik berichtet. Interessant auch die äußerst fragwürdige Politik des Internationalen Währungsfonds (IWF)… Viele interessante Artikel, u.a. auch über Mugabe und Simbabwe. Keine leichte Kost, aber absolut interessant!

Edition LE MONDE diplomatique No. 5

Rohstoffreichtum, Korruption und Kriege prägen das Bild vom subsaharischen Afrika. Doch es ist auch ein Erdteil, dessen Bewohner zu Recht stolz sind: auf die weitgehende Unabhängigkeit von den Kolonialmächten, ihre eigenen Wege zur Demokratie, eine reiche Kultur und natürlich auch den afrikanischen Fußball.

Doris Lessing, Achille Mbembe, Joseph Stiglitz u.a. berichten über Probleme und Hoffnungen in Afrika.

Afrika. Stolz und Vorurteile

via Le Monde diplomatique, Edition.

Neue IBM Corporate Service Corps Einsätze in Südafrika und Nigeria

Es freut mich, dass unser Engagement in Afrika nun in 2009 weiter ausgebaut wurde: Nach Südafrika gehen unsere Teams nun auch nach Nigeria. Nach Tanzania wird nun mittlerweile bereits das 5.Team gehen – seit Team 4 finden die Projekte in Dodoma statt.

Da werde ich echt neidisch – wie auch andere Teilnehmer aus meinem CSC Tansania Team würde auch ich gern wieder einen Projekteinsatz wahrnehmen. Da aber die Zahl der Bewerber in IBM nicht gerade weniger wird, ist ein zweiter Einsatz in diesem Programm eher unrealistisch…

Da waren wir Alumnis in Deutschland wohl auch selbst Schuld – wir haben eine Road Show veranstaltet, um unseren Kollegen von unseren Erfahrungen und Erlebnissen aus erster Hand zu berichten…

Ergebnis: jede Menge Bewerbungen und allein 23(!) Teilnehmer aus Deutschland in der aktuellen Runde – das sind deutlich mehr, als unserer Region relativ “zustehen” würde 😉

(Mein Fokus liegt zwar auf Afrika, aber es sind auch andere Länder dazugekommen, u.a.: Brasilien)

Rückblick Socialbar München 30.April 2009

Begeistert vom Mobilecamp09 in Dresden (#mcdd09) bin ich am Donnerstag gleich auch zur 1.Socialbar in München gegangen. Gekommen waren ca. 30-35 Leute mit unterschiedlichsten Hintergründen – die Vorstellungsrunde dauerte dann auch fast so lang wie auf dem deutlich größeren Mobilecamp :-) .

Die Agenda wurde bereits im Vorfeld organisiert. Weiss nicht so genau, eigentlich fand ich den Ansatz nicht schlecht diese erst zu Beginn der Veranstaltung gemeinsam festzulegen. Ich würde vermuten, dass der Match zwischen Vorträgen und Interesse/Mitarbeit dann noch besser funktioniert. Wie auch immer – die Vorträge waren sehr interessant. Eine sonderbare Aktion gabs aber auch – die stand noch nicht mal auf der Agenda. Doch dazu später.

Andreas Kopp steckt hinter der Idee die Social Bar in München stattfinden zu lassen. In seinem Vortrag stellte er zuerst verschiedene Stufen und Zielrichtungen und Beispiele für sozial ausgerichtete Unternehmungen vor. Dazu verschiedene Plattformen, die eine Vermittlung zwischen Hilfesuchenden, Projekten, Freiwilligen und Unternehmen schaffen und vereinfachen wollen. Besonders interessant für mich die Beispiele der Einbindung mobiler Lösungen in der Entwicklungshilfe. Zwei Beispiele, die auf Crowdsourcing per Handy setzen: txteagle und The Extraordinaries.

Marcus Ubani stellt die
von ihm betriebene Platform Active Life Community vor – eine Art interaktive Nachbarschaftshilfe. Bedarf für Hilfeleistungen ist auch lokal in der Nähe vorhanden. Die im Aufbau befindliche Community organisiert greifbarre lokale Projekte – beispielsweise Aktionen zur Versorgung von Münchner Obdachlosen.

Danach folgte ein Beitrag den ich zum Schluss kommentieren werde.

Daraufhin präsentierte das Team von Wikando seine neue – gerade live gegangene – Plattform. Sehr schick, konzipiert als Social Business und für das Konzept mit verschiedenen Preisen – u.a. vom Gründerwettbewerb der Financial Times – ausgezeichnet. Verlinkt werden Projekte sortiert nach Kategorien, Ländern und Bedarfstypen. Alle Spenden werden zu 100% weitergeleitet – die Plattform finanziert sich über Gebühren der teilnehmenden Unternehmen. Ein wohl wichtiges Erfolgskriterium: Transparenz. Freu mich drauf, mit Wikando eine Idee zu diskutieren, die ich seit Tanzania mit mir rumschleppe…

Spontan folgte noch eine Kurzvorstellung der geplanten Echo Plattform durch Jan Linhart. Diese befindet sich derzeit allerdings noch in einer recht frühen Phase. Leider war die Zeit dann doch recht kurz um die recht komplexe Idee leicht verständlich vorzustellen. Nach meinem Verständnis ähnelt Sie in Teilbereichen Debategraph. Das brachte mich dann auch zu weiteren Überlegungen in der darauf folgenden Diskussionsrunde. Ich werd die Platform auf jeden Fall mal im Auge behalten.

Die Diskussion hatte eine interessante Technik zur Moderation: Drei Teilnehmer stehen in der Mitte und diskutieren – wer einsteigen will, muss davor erst einen aus der Runde “abklatschen”. Ein wichtiges Themen war u.a. das starke Wachstum an Webplattformen für Charity Projekte. Teilweise unterscheiden sich diese nur marginal – teilweise gibts aber doch individuelle Ausprägungen. Klar – Wettbewerb spornt zur besten Lösungen an und bringt Vielfalt. Wenn jede Plattform einen weiteren Nutzerkreis erschließt ist das eine sehr gute Sache. Auf der anderen Seite ist Wettbewerb auch recht ressourcenintensiv. Wenn jede Plattform von Grund auf neu aufgebaut wird, wird auch das Rad immer wieder neu erfunden…

Daher lohnt es sich vielleicht bei zukünftigen Schritten noch mehr auf Zusammenarbeit und Kooperation zu setzen. Serviceorientierung ist im geschäftlichen Umfeld bereits ein wichtiges Thema: dabei werden einzelne Dienste gekapselt und als Services wiederum in neuen Lösungen eingebunden. Plattformen lassen sich damit viel schneller und weniger aufwendig entwickeln – zudem können auch Synergieeffekte erreicht werden. Schließlich soll ja möglichst viel Energie in die Nutzung und weniger in die Entwicklung der Plattformen gesteckt werden :-) .

Zum Schluß nun zu dem Beitrag am Abend, die meine Voraussage tatsächlich eintreffen lassen sollte: Es gibt auf dem Event mindestens einen sonderbaren Auftritt.

Diesen gabs zum Projekt “Think new” – und endete zumindest bei mir mit einem “???” als Fazit. Gabi Lück stellte Ihr Projekt vor und kündigte einen extrem subversiv produzierten Beitrag um einen Flashmob an, welcher dann auf der Socialbar Premiere hatte: Leute – die sich einen “Think new” Aufkleber auf den Rücken kleben liesen und damit durch die Ausstellung des Art Directors Club in Berlin gelaufen sind. Mhm.

Bitte nicht falsch verstehen: Aufrütteln ist schon wichtig. Noch besser wäre ein damit verbundenes konkreteres Ziel. Meines Erachtens fehlt es nicht daran, dass keiner mitbekommt was alles so schief läuft – es ist eher die Ohnmacht des Einzelnen, an welcher Stelle konkret etwas bewegt werden kann. Insofern fand ich die anschließende – teilweise etwas dogmatische – Ansprache eher unschön, in u.a. Studenten(!) vorgeworfen wird, beim Discounter einkaufen zu gehen. Da fallen mir aber zuerst einmal andere große Käuferschichten bei Discountern ein, bei denen das Thema Budget eigentlich kein Grund sein dürfte.

Desweiteren ging es um den tonnenweise Plastikmüll in den Weltmeeren – das ist echt nicht schön. Nur werden wir den sicher nicht damit bekämpfen, in dem wir “Think new” Aufkleber drucken und diese wild in Städte und Landschaften kleben. Auch wenn diese wohl nachhaltig produziert werden, enden Sie irgendwann auch als Müll – hoffentlich dann sauber entsorgt und nicht im Meer.

“Think new” ist ein Kunstprojekt. Ich fände es schön – wenn kreative Energie dazu anregt, sich zu engagieren – anstatt sich zu echauffieren. Es stehen einige interessante Charity Plattformen zur Verfügung die ein wenig mehr Aufmerksamkeit und Teilnahme sicher vertragen könnten. Warum nicht denen direkt ein wenig unter die Arme greifen?

Das wirklich beeindruckende Einstiegsvideo “Lost Generation” zum Einstieg in das “Think new” Thema steht übrigens auch auf Youtube – hat aber nichts direkt mit dem Kunstprojekt zu tun.

httpv://www.youtube.com/watch?v=42E2fAWM6rA

In Summe ein sehr abwechslungsreicher Abend mit interessanten Leuten die hinter Ihrer Sache stehen und sich mit Gleichgesinnten austauschen. Ich werd gern wieder hingehen…