Rückblick Socialbar München 30.April 2009

Begeistert vom Mobilecamp09 in Dresden (#mcdd09) bin ich am Donnerstag gleich auch zur 1.Socialbar in München gegangen. Gekommen waren ca. 30-35 Leute mit unterschiedlichsten Hintergründen – die Vorstellungsrunde dauerte dann auch fast so lang wie auf dem deutlich größeren Mobilecamp :-) .

Die Agenda wurde bereits im Vorfeld organisiert. Weiss nicht so genau, eigentlich fand ich den Ansatz nicht schlecht diese erst zu Beginn der Veranstaltung gemeinsam festzulegen. Ich würde vermuten, dass der Match zwischen Vorträgen und Interesse/Mitarbeit dann noch besser funktioniert. Wie auch immer – die Vorträge waren sehr interessant. Eine sonderbare Aktion gabs aber auch – die stand noch nicht mal auf der Agenda. Doch dazu später.

Andreas Kopp steckt hinter der Idee die Social Bar in München stattfinden zu lassen. In seinem Vortrag stellte er zuerst verschiedene Stufen und Zielrichtungen und Beispiele für sozial ausgerichtete Unternehmungen vor. Dazu verschiedene Plattformen, die eine Vermittlung zwischen Hilfesuchenden, Projekten, Freiwilligen und Unternehmen schaffen und vereinfachen wollen. Besonders interessant für mich die Beispiele der Einbindung mobiler Lösungen in der Entwicklungshilfe. Zwei Beispiele, die auf Crowdsourcing per Handy setzen: txteagle und The Extraordinaries.

Marcus Ubani stellt die
von ihm betriebene Platform Active Life Community vor – eine Art interaktive Nachbarschaftshilfe. Bedarf für Hilfeleistungen ist auch lokal in der Nähe vorhanden. Die im Aufbau befindliche Community organisiert greifbarre lokale Projekte – beispielsweise Aktionen zur Versorgung von Münchner Obdachlosen.

Danach folgte ein Beitrag den ich zum Schluss kommentieren werde.

Daraufhin präsentierte das Team von Wikando seine neue – gerade live gegangene – Plattform. Sehr schick, konzipiert als Social Business und für das Konzept mit verschiedenen Preisen – u.a. vom Gründerwettbewerb der Financial Times – ausgezeichnet. Verlinkt werden Projekte sortiert nach Kategorien, Ländern und Bedarfstypen. Alle Spenden werden zu 100% weitergeleitet – die Plattform finanziert sich über Gebühren der teilnehmenden Unternehmen. Ein wohl wichtiges Erfolgskriterium: Transparenz. Freu mich drauf, mit Wikando eine Idee zu diskutieren, die ich seit Tanzania mit mir rumschleppe…

Spontan folgte noch eine Kurzvorstellung der geplanten Echo Plattform durch Jan Linhart. Diese befindet sich derzeit allerdings noch in einer recht frühen Phase. Leider war die Zeit dann doch recht kurz um die recht komplexe Idee leicht verständlich vorzustellen. Nach meinem Verständnis ähnelt Sie in Teilbereichen Debategraph. Das brachte mich dann auch zu weiteren Überlegungen in der darauf folgenden Diskussionsrunde. Ich werd die Platform auf jeden Fall mal im Auge behalten.

Die Diskussion hatte eine interessante Technik zur Moderation: Drei Teilnehmer stehen in der Mitte und diskutieren – wer einsteigen will, muss davor erst einen aus der Runde “abklatschen”. Ein wichtiges Themen war u.a. das starke Wachstum an Webplattformen für Charity Projekte. Teilweise unterscheiden sich diese nur marginal – teilweise gibts aber doch individuelle Ausprägungen. Klar – Wettbewerb spornt zur besten Lösungen an und bringt Vielfalt. Wenn jede Plattform einen weiteren Nutzerkreis erschließt ist das eine sehr gute Sache. Auf der anderen Seite ist Wettbewerb auch recht ressourcenintensiv. Wenn jede Plattform von Grund auf neu aufgebaut wird, wird auch das Rad immer wieder neu erfunden…

Daher lohnt es sich vielleicht bei zukünftigen Schritten noch mehr auf Zusammenarbeit und Kooperation zu setzen. Serviceorientierung ist im geschäftlichen Umfeld bereits ein wichtiges Thema: dabei werden einzelne Dienste gekapselt und als Services wiederum in neuen Lösungen eingebunden. Plattformen lassen sich damit viel schneller und weniger aufwendig entwickeln – zudem können auch Synergieeffekte erreicht werden. Schließlich soll ja möglichst viel Energie in die Nutzung und weniger in die Entwicklung der Plattformen gesteckt werden :-) .

Zum Schluß nun zu dem Beitrag am Abend, die meine Voraussage tatsächlich eintreffen lassen sollte: Es gibt auf dem Event mindestens einen sonderbaren Auftritt.

Diesen gabs zum Projekt “Think new” – und endete zumindest bei mir mit einem “???” als Fazit. Gabi Lück stellte Ihr Projekt vor und kündigte einen extrem subversiv produzierten Beitrag um einen Flashmob an, welcher dann auf der Socialbar Premiere hatte: Leute – die sich einen “Think new” Aufkleber auf den Rücken kleben liesen und damit durch die Ausstellung des Art Directors Club in Berlin gelaufen sind. Mhm.

Bitte nicht falsch verstehen: Aufrütteln ist schon wichtig. Noch besser wäre ein damit verbundenes konkreteres Ziel. Meines Erachtens fehlt es nicht daran, dass keiner mitbekommt was alles so schief läuft – es ist eher die Ohnmacht des Einzelnen, an welcher Stelle konkret etwas bewegt werden kann. Insofern fand ich die anschließende – teilweise etwas dogmatische – Ansprache eher unschön, in u.a. Studenten(!) vorgeworfen wird, beim Discounter einkaufen zu gehen. Da fallen mir aber zuerst einmal andere große Käuferschichten bei Discountern ein, bei denen das Thema Budget eigentlich kein Grund sein dürfte.

Desweiteren ging es um den tonnenweise Plastikmüll in den Weltmeeren – das ist echt nicht schön. Nur werden wir den sicher nicht damit bekämpfen, in dem wir “Think new” Aufkleber drucken und diese wild in Städte und Landschaften kleben. Auch wenn diese wohl nachhaltig produziert werden, enden Sie irgendwann auch als Müll – hoffentlich dann sauber entsorgt und nicht im Meer.

“Think new” ist ein Kunstprojekt. Ich fände es schön – wenn kreative Energie dazu anregt, sich zu engagieren – anstatt sich zu echauffieren. Es stehen einige interessante Charity Plattformen zur Verfügung die ein wenig mehr Aufmerksamkeit und Teilnahme sicher vertragen könnten. Warum nicht denen direkt ein wenig unter die Arme greifen?

Das wirklich beeindruckende Einstiegsvideo “Lost Generation” zum Einstieg in das “Think new” Thema steht übrigens auch auf Youtube – hat aber nichts direkt mit dem Kunstprojekt zu tun.

httpv://www.youtube.com/watch?v=42E2fAWM6rA

In Summe ein sehr abwechslungsreicher Abend mit interessanten Leuten die hinter Ihrer Sache stehen und sich mit Gleichgesinnten austauschen. Ich werd gern wieder hingehen…

2 thoughts on “Rückblick Socialbar München 30.April 2009

  1. gabi

    ? Sonderbar – was erwartet man von einem TEASER ? :
    Wünschenswert wäre: Menschen und Dinge tiefer, genauer anzuschauen, bevor wir wiedermal bewerten /kategorisieren möchten, Dinge in Boxen packen, ohne sie wirklich erstmal laufen zu lassen.

    Fragen sind wichtig, denn Sie bringen uns weiter. Je ungewöhnlich desto besser, desto aussergewöhnlicher oder sonderbarer vielleicht auch die Antwort oder Lösung!
    THINK-NEW.ORG

    Die ZUKUNFT BEGINNT BIN DEINEM KOPF
    (Anmerkung von Dirk: haben hier einen komplett kopierten Textblock unter dieser Überschrift der besseren Lesbarkeit wegen herausgelöscht – Inhalte sind verlinkt)

    Ist denn wirklich schon ein allgemeines Bewusstsein für Respekt,
    Toleranz, Humanität, Umweltbewusstsein und Eigenverantwortung vorhanden?
    Wodurch drückst Du es aus?

    KONTEXT:
    think-new.org, ist eine Community, die über den thinknew-Sticker, sowohl online (virtuell) als auch offline (real) IMPLUSE DES NEUDENKENS VERBREITET:

    ÜBERGEORDNETES_ZIEL
    Für ein nachhaltigeres neudenkendes Bewußtsein, geprägt von Respekt, Humanität und Toleranz! Und für das Highlighten der Wichtigkeit dieser Werte, Organisationen und einzelnen Menschen – die selbst die Veränderung leben, die sie in der Welt sehen wollten!

    Genauso wie die Wichtigkeit Konventionen zu hinterfragen!

    DER ART-ACT
    besteht in der Kombination des Stickers mit dem jeweilig impulsgebenden individuellen Kontext des Neudenkers. (als Foto oder als Video-statement). Hierbei wird es immer Etappenziele geben, die immer ein bestimmtes sociales Ziel verfolgen.

    1. ETAPPENZIEL: Ars Electronica PRIX: “ ALLE THINKNEW –TEILGEBER SIND POTENTIELLE ANWÄRTER AUF DEN OSKAR DER COMPUTER-KUNST”
    (Anmerkung Dirk: haben hier einen komplett kopierten Textblock zum Thema der besseren Lesbarkeit wegen herausgelöscht – Inhalte sind hier) …da es sich um ein Gemeinschaftsprojekt handelt:
    (Anmerkung Dirk: habe den Spendenaufruf direkt verlinkt)

    Let’s create tomorrow’s world today!
    Mit neudenkenden Grüßen.

    Gabi Lück

    P.S. : NEWS ZUM NEUEN STICKER: Öko haftet nachhaltiger: neue think new-Sticker!
    (Anmerkung Dirk: habe die Erläuterung direkt verlinkt)

    P.S: Das wäre alles ein bisschen ZUVIEL GEWESEN für meine 5 MIN Socialbar Präsentation, musste zeitlich auch wieder weg . Deshalb wollte ich nur kurz anteasen… 😉

    Reply
  2. Dirk Spannaus

    Kurzer Zwischenkommentar: der Kommentar war so lang und wurde von Askimet erstmal als Spam klassifiziert. Daher hat es eine Weile gedauert bis ich ihn gefunden habe und freigeben konnte. Ich möchte gern noch antworten, habe aber gerade wenig Zeit….

    Hoffe es ist okay, wenn ich den Beitrag dennoch etwas gekürzt habe. Viele Textbausteine stammen direkt von der Think-New Webseite … ich glaube da darf man ruhig direkt eher mal verlinken.

    (Übrigens empfiehlt sich bei längeren Kommentaren durchaus eine Antwort per Blog, mit der Trackback Funktion…)

    Reply

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