Tag Archives: Entwicklungshilfe

Afrika. Stolz & Vorurteile

Obwohl ich es noch nicht ganz durchgelesen habe, kann ich das Afrika Spezial von Le Monde diplomatique absolut empfehlen. Aus verschiedenen Blickwinkeln wird über die aktuelle Situation und durchaus auch kritisch über Entwicklungspolitik berichtet. Interessant auch die äußerst fragwürdige Politik des Internationalen Währungsfonds (IWF)… Viele interessante Artikel, u.a. auch über Mugabe und Simbabwe. Keine leichte Kost, aber absolut interessant!

Edition LE MONDE diplomatique No. 5

Rohstoffreichtum, Korruption und Kriege prägen das Bild vom subsaharischen Afrika. Doch es ist auch ein Erdteil, dessen Bewohner zu Recht stolz sind: auf die weitgehende Unabhängigkeit von den Kolonialmächten, ihre eigenen Wege zur Demokratie, eine reiche Kultur und natürlich auch den afrikanischen Fußball.

Doris Lessing, Achille Mbembe, Joseph Stiglitz u.a. berichten über Probleme und Hoffnungen in Afrika.

Afrika. Stolz und Vorurteile

via Le Monde diplomatique, Edition.

Kommentar zu: “Die unterste Milliarde…” (Paul Collier)

Kompletter Titel ist: “Die unterste Milliarde – Warum die ärmsten Länder scheitern und was man dagegen tun kann”

Ich hatte es in meinem vorhergehenden Beitrag angekündigt, nun habe ich das Buch von Paul Collier durchgelesen. Es gab natürlich wieder einige aha Effekte beim Lesen… Im Folgenden ein paar auserwählte:

Paul Collier geht davon aus, dass einige Länder in Fallen stecken, die sich weder allein durch gesteigerte Entwicklungshilfe (Sachs) oder durch den freien Markt (Easterly) lösen lassen:

1. Die Konfliktfalle – Konflikte sind extrem aufwendig und kostenintensiv. Dazu kommt, dass die Chance von Konflikten in Konfliktgebieten erheblich höher ist – ein Teufelskreis.
2. Die Ressourcenfalle – Paradox: Rohstoffe in Entwicklungsländer können sich als Fluch erweisen und auch in die Konfliktfalle führen.
3. Ohne Zugang zum Meer und von schlechten Nachbarn umgeben – Durch die künstliche Grenzziehung in der Kolonialzeit wurden Binnenländer geschaffen. Für diese gestaltet sich die wirtschaftliche Entwicklung besonders schwierig. Die Schweiz als europäisches Binnenland ist verkehrstechnisch sehr gut eingebunden und hat starke Nachbarn, die Märkte für die Schweiz darstellen. Beide Aspekte sind bei afrikanischen Ländern oft nicht gegeben.
4. Schlechte Regierungsführung …

Sehr gut finde ich, dass Paul Collier in seinem Punkt mögliche Lösungsansätze vorstellt, um aus den 4 Fallen zu entkommen.

Interessanter Fakt: Etwa 25% aller Mittel im Rahmen von Entwicklungshilfe wird in Form von “technischer Hilfe” erbracht (S.146 ff). Dabei werden kompetente Menschen geschickt und von den Gebern bezahlt. In diese Kategorie fällt auch unser Einsatz in Tansania. Technische Hilfe wird teilweise als kritisch bewertet – da die Empfänger ja kein Geld erhalten würden. Allerdings fehlt es eben nicht nur an Geld sondern oft auch an Kompetenz. Wichtig natürlich, dass die Mittel der Entwicklungshilfe zum richtigen Zeitpunkt und im richtigen Maß eingesetzt werden. Paul Collier beschreibt die technische Hilfe nach meinem Empfinden aber scheinbar mehr aus Sicht von Programmen auf staatlicher Ebene, weniger im Falle von Privatunternehmen, wie in unserem Fall.

Thema Freihandel & Handelsschranken:
Ein weiterer interessanter Einblick für mich, hatte dazu ja auch schon in einem früheren Post kommentiert. Weder absoluter Protektionismus auf der einen, noch komplette Liberalisierung auf der anderen Seite der Skala sind erfolgsversprechend. Komplett abgeriegelte, geschützte Binnenmärkte fehlt oftmals die Konkurrenz. Damit schützen hohe Zölle vor externen Einflüssen. Dies führte oft zu hohen Preisen über dem Weltmarktdurchschnitt und niedrigen Wachstumsraten. Oft sind lt. Paul Collier hohe Handelsschranken auch Quelle für Korruption im Umfeld des Zolls…
Dabei ist er keines Weges Befürworter eines “Big Bangs” in der Liberalisierung des Handels. Er befürwortet, Unternehmen, die eine Chance auf dem Weltmarkt haben, eben “nicht ins Wasser zu stoßen”, sondern Ihnen “das Schwimmen beizubringen”. (So ähnlich hatte ich das mit meinem Boxervergleich ja auch formuliert :-) )
Aber ein sehr wichtiger weiterer Aspekt ist der Zusammenhang zwischen starker Erhöhung der Entwicklungshilfe und gleichzeitig hohen Handelsschranken (S.202 ff.). Der Autor belegt dabei, dass beides miteinander nicht vereinbar ist:
“… Entwicklungshilfe steht in Konkurrenz zu Exporteuren.”
Der Mechanismus der dies auslöst ist der Wechselkurs. Dieser steigt durch Entwicklungshilfe, somit wird jeder durch Exporteure erwirtschafteter Dollar weniger wert – siehe dazu auch “holländische Krankheit”. Maßvolle Handelsliberalisierung parallel zur Entwicklungshilfe scheint da ein Mittel zu sein, wie Paul Collier beschreibt.

Fazit: ein sehr lesenswertes Buch, der Autor untersucht Ursachen, schlägt Lösungsansätze und eine Agenda zum Handeln vor.

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Jeffrey D.Sachs / William Easterly in Talks@Google Serie auf Youtube

Dank der Talks@Google Serie konnte ich mir einmal einen schnellen Überblick über den Standpunkt von Jeffrey D.Sachs verschaffen… Sehr interessant fand ich seine Ausführungen ca. um die Minute 29 herum, in der er darauf eingeht, daß der Markt eben nicht alle Probleme löst (Bezug auf Easterly) und gibt Beispiele für Probleme, die den Markt nicht interessieren… (Hintergrund der Rede ist auch sein Buch Wohlstand für viele: Globale Wirtschaftspolitik in Zeiten der ökologischen und sozialen Krise“).

httpv://de.youtube.com/watch?v=n3kzzVP2c7w#

Auch William Easterly kam in dieser Serie zu Wort, in dem er Theorien aus seinem Buch “The white mans burden…” vorstellt.

httpv://de.youtube.com/watch?v=o_H0g30YwQ8

Meines Erachtens etwas unschön ist, wie er darin mit seinem intellektuellen Widersacher Sachs umgeht. Beide haben das gleiche Ziel: Wege zu finden, wie Afrika die Armut hinter sich lassen kann. Beide bringen interessante Ideen und Theorien. Zudem haben beide nachvollziehbare Argumente, wo die Schwächen der jeweiligen Theorien des Anderen liegen. Damit wird eigentlich nur deutlich, dass beide nicht die vollständige und perfekte Lösung haben.

Das wird auch beim Lesen von Paul Colliers “Die unterste Milliarde: Warum die ärmsten Länder scheitern und was man dagegen tun kann” deutlich. Dazu jedoch in einem späteren Beitrag (bin noch nicht ganz durch).

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Kommentar zu “Wir retten die Welt zu Tode” (William Easterly)

Hi,

nun gleich ein zweiter Buchkommentar hinterher. Ich habe mir in den letzten Tagen William Easterlys Buch “Wir retten die Welt zu Tode: Für ein professionelleres Management im Kampf gegen die Armut” zu Gemüte geführt… Sehr interessant geschrieben, mit – für mich – wieder vielen interessanten Erkenntnissen.

Schwerpunkt des Buches liegt darin zu überprüfen, wie effektiv Entwicklungshilfeprogramme bislang funktioniert haben. William Easterly, New Yorker Professor für Ökonomie und Afrikastudien an der New York University hat selbst 16 Jahre für die Weltbank gearbeitet und daher eigene Erfahrungen mit Entwicklungshilfeprojekten gesammelt.

Er macht gleich zu Beginn eine Unterscheidung in zwei Gruppen:

Die Planer und die Sucher.

Dabei stehen im übertragenen Sinne die Planer für Vertreter planwirtschaftlicher Prinzipien, wobei die Sucher eher den freien Markt verkörpern. Derzeit werden große internationale Entwicklungshilfeprogramme eher von den Planern organisiert. Der Erfolg dieser Tätigkeiten in der Vergangenheit war eher bescheiden, lt. William Esterly liegt das auch nicht so sehr an der Höhe der Entwicklungshilfen (regelmäßig werden Erhöhungen eingefordert) sondern an der fehlenden Erfolgskontrolle. Heute wird in vielen Fällen der Erfolg nicht gemessen, so kann auch niemand verantwortlich für Erfolg oder Misserfolg sein. Entwicklungshilfe wird dabei mehr am Aufwand und weniger am Erfolg gemessen. Zudem verzetteln sich Organisatoren, die sich zu viele Ziele setzen… Spezialisierung in der Entwicklungshilfe wäre am effizientesten, allerdings versuchen wohl immer mehr Organisationen möglichst viel Probleme zu adressieren.

Zudem planen Planer am grünen Tisch über die aus Ihrer Sicht dringendsten Probleme, die gelöst werden sollen. Das Buch führt ein paar interessante Beispiele auf, um wieviel erfolgreicher ein eher bedarfsorientierter Ansatz ist. Die Betroffenen wissen in der Regel am besten über Ihre dringendsten Problem Bescheid. Der Sucher ist dann auf dem Wege, diese Probleme effizient zu lösen und wenn der Bedürftige Mittel besitzt oder bekommt, wird er diese Hilfe auch gern in Anspruch nehmen.

Es werden eine Reihe an Fehlern untersucht. So gibt es bei Infrastrukturthemen zwar Investitionen in den Bau, aber keine für Wartung und Unterhaltung. Das führt zum Teil dazu, dass die eben erst gebauten Strassen nicht gewartet und gepflegt werden. Neubauten sind eben eindrucksvoller darstellbar als Wartungsarbeiten an bestehenden Gebäuden… (das war übrigens auch ein Argument der Kritiker in der Diskussion zum Transrapid in München… Bund und Land wollten die Investition extrem unterstützen, allerdings wären die Betriebskosten wohl im Etat des öffentlichen Nahverkehrs von München hängengeblieben und hätten diesen massiv belastet).

Easterly empfiehlt in den sauren Apfel zu beißen und sich auch an den Betriebs- und Wartungskosten von Infrastruktur in Entwicklungsländern zu beteiligen.

Interessant auch die Weltbank Untersuchung zur Rendite von Investitionen: diese ist bei Lehrmitteln 14 mal so hoch als bei der Investition in materielle Anlagen. Dennoch ziehen nach Erfahrungen von Easterly Geldgeber markantere Gebäude als sichtbare Ergebnisse vor. Damit bleibt die Qualität in Bildungswesen weiterhin gering…

William Easterly entwickelte 3 Thesen:

  1. Die Funktionsfähigkeit einer Organisation sinkt mit der Zahl der gesetzten Ziele.
  2. Die Qualität einer Organisation steigt mit Ihrer Rechenschaftspflicht.
  3. Top-Down Planer sind durch mangelndes Wissen um die Realität an der Basis beeinträchtigt.

Diese Thesen untersucht er anhand des IWF (Internationaler Währungsfond) und findet dafür Belege in zahlreichen statistischen Betrachtungen.

Einen größeren Teil seines Buches nimmt auch die Betrachtung des Gesundheitswesens ein. Erschreckend – Studien in Kamerun, Guinea, Tansania und Uganda schätzen, dass 30 bis 70% der staatlichen Dokumente verschwinden, bevor sie den Patienten erreichen…

Auch die Diskussion, wie mit AIDS in Afrika umgegangen werden sollte, diskutiert Easterly sehr offen und interessant.

Er fasst seine Standpunkte zusammen:

Konzentration der Entwicklungshilfe auf das Wesentliche: Impfstoffe, Antibiotika, Nahrungsergänzungsmitttel, verbessertes Saatgut, Düngemittel, Straßen, Bohrlöcher. Wasserleitungen, Schulbücher und Krankenschwestern… Das resultiert in Gesundheit, Nahrung, Bildung und schafft die Grundlage für eigene nachhaltige Entwicklung.

Zusätzlich führt er dann auch die Vermittlung praktischem Wissens auf…

Je mehr ich über Entwicklungshilfe und Konzeptionen dazu lese, desto mehr gefallen mit die Projekte, an welchen wir uns im Rahmen unserer Aktivitäten einbringen. Wir bringen uns mit der Vermittlung praktischen Wissens in lokale Projekte ein, welche nach Möglichkeiten der Entwicklungshilfe suchen und auch Rechenschaft über ihre Erfolge legen. Gerade der durchgängige 5-stufige Ansatz bei Kickstart ermöglicht eine Bedarfsorientierung und Rechenschaftslegung über den Erfolg.

In einem weiteren Eintrag werde ich noch auf die von Easterly zum Schluß des Buches vorgeschlagenen Möglichkeiten der besseren Synchronisation zwischen Geldgebern, Entwicklungshelfern und Bedürftigen eingehen. Dazu lese ich gerade in der TAZ wieder ein paar interessante Aktivitäten.

Bei Amazon habe ich noch eine interessante Kritik eines Lesers gefunden, die zu Recht darauf hinweist, dass neben diesem dann auch noch Buch “Das Ende der Armut” von Jeffrey D. Sachs gelesen werden sollte. Easterly vertritt einen stark marktorientierten Ansatz, wobei wir wissen, dass der Markt auch nicht alle Probleme löst und teilweise auch reguliert werden muss…. Ich werde dieses Buch auf meine Liste stellen, allerdings möchte ich mich nun in der verbleibenden Vorbereitungszeit ein wenig mehr mit Land und Leute – besonders auch der Sprache – befassen.

Mein persönliches Fazit aus dem Buch:

Es ist sehr wichtig, die Effizienz der Entwicklungshilfe zu verbessern, Geld soll an der richtigen Stelle für wirklich benötigte Themen eingesetzt werden.

Dennoch denke ich, dass die zweite Dimension – die absolute Höhe der Entwicklungshilfe gern noch gesteigert werden darf. Es gibt sicher nicht zu wenig Projekte und Themen, die noch Unterstützung benötigen. Allerdings ist die Koordination Geld, Entwickler und Bedürftige sicher noch verbesserbar. Aber wie gesagt, dazu mehr in einem nächsten Beitrag.

Dirk

(in kursiv wieder markiert die mehr oder weniger direkt übernommenen Passagen aus seinem Buch)

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Kommentar zu “Ethik der Entwicklungspolitik” (Thomas Kesselring)

Hi,

kurzer Zwischenstand: zur Zeit wühle ich mich durch verschiedene Bücher. Vielleicht ein wenig zu über engagiert lese ich in einigen parallel und musste diese schon in der Bibliothek verlängern bzw. neu ausleihen (das ist eine Geschichte für sich!)

Ethik der Entwicklungspolitik – Gerechtigkeit im Zeitalter der Globalisierunghat mir ein paar interessante Hintergründe zur Entwicklungspolitik gegeben. Ein paar mir wichtige Punkte aus dem Buch möchte ich davon festhalten:

    • Zahlen und Fakten aus dem Buch:
      Eine Weltbankstudie belegt, dass zwischen 1988 und 1993 global die Einkommen zwar um durchschnittlich 5,7 % stiegen, aber nur das reichste Fünftel davon profitierte (um ca. 12%). In der überwiegenden “restlichen” Bevölkerung stagnierten oder sanken die Einkommen, so sank das Einkommen beim ärmsten Fünftel der Weltbevölkerung um 23% (!)… Das Wirtschaftswachstum zum Ende des 20.Jahrhunderts konzentrierte sich also auf einen kleinen Teil der Weltbevölkerung (für 100 Entwicklungs- und Reformländer gab es einen starken wirtschaftlichen Niedergang).

      Erschreckend! Allein auf Basis der Nachrichtenlage und meines Informationsstandes hätte ich vermutet, dass zwar die Entwicklungshilfe lange nicht ausreichend ist, so dass Wirtschaftssysteme in Entwicklungsländer langsamer als möglich wachsen… Aber dass diese in Wirklichkeit in vielen Entwicklungsländern gar noch schrumpfen hätte ich nicht vermutet. Interessant wäre, wie es sich seit 1993 in den letzten 15 Jahren weiter entwickelt hat…

 

  • Grundsätze der Gerechtigkeit
    Der Philosoph John Rawls hat eine Gerechtigkeitstheorie entwickelt – im vierten Kapitel steht dazu: “‘Gerechtigkeit als Fairness’ ist gebunden an ‘die Idee der Gesellschaft als eines (…) Systems der Kooperation’ (Rawls 1993)”.
    Sehr gut gefällt mir die Aussage Rawls: “Menschliches Zusammenleben ist auf Fairness, nicht auf die Maximierung des Eigennutzes gebaut…”
    Weiter im Text: “… Ungerechte Handlungen schmälern die Glücks- und Nutzensbilanz” – Thomas Pogge: “Wenn jeder sein Handeln auf Glücksmaximierung abstellte, würde dadurch wahrscheinlich weniger Glück produziert werden, als wenn jeder sich streng an die Regeln der gemeinen Moral hielte …” (Pogge 1994)
    Ich glaube aber, dass es leider schon viele Leute gibt, die Ihre eigene Glücksmaximierung zum alleinigen Lebensziel machen…

 

 

  • Zur Verschuldung
    1999 betrug die Gesamtschuld der “Entwicklungsländer” 2000 Milliarden Dollar – Zins und Tilgung kosteten im Jahr 200 Milliarden Dollar (also 10%) – dennoch wächst der Schuldenberg kontinuierlich weiter…In vielen Ländern übersteigt der Schuldendienst sogar die Ausgaben für Bildung und Gesundheit. Deswegen fragte Mitte der 80er Jahre Julius Nyerere (damaliger Präsident Tanzanias) auch: “Sollen wir wirklich unsere Menschen verhungern lassen, nur damit wir unsere Schulden begleichen können?” (zit. nach Timberlake 1990)
    Interessant in diesem Zusammenhang: Deutschlands Schuldendienst wurde in den fünfziger Jahren halbiert….

 

 

  • Freihandel
    Dieser ist nicht ausschließlich als positiv zu bewerten. Junge sich erst entwickelnde Branchen brauchen einen “Erziehungsschutz” – vergleichbar mit eingezäuntem frisch gesätem Rasen.
    Eigentlich ja auch absolut logisch, einen Boxneuling schickt man doch auch nicht in seinem ersten Wettbewerb in einen Profiboxkampf. Allerdings ist die Öffnung lokaler Märkte oftmals Bedingung von westlichen Kreditgebern wie IWF. Interessant ist das Fazit, welches geboten wird: Sind Informationen, Kenntnisse, Know-How, Kunst und Kultur Gegenstand des internationalen Austauschs, wächst die Vielfalt und alle haben etwas davon, sind materielle Güter (inkl. Nahrungsmittel) und Kapital in großem Stil Gegenstand des Austauschs, so tritt eher die gegenteilige Wirkung ein…
    Summa Summarum geht es also darum, eine entstehende Wirtschaft nicht zu früh dem globalen Wettbewerb ungeschützt auszusetzen. Freihandel hat zwar viele positive Effekte – aber der Wettbewerb erhöht nicht immer nur den Nutzen…

 

 

(alle italic markierten Abschnitte stammen inhaltlich mehr oder weniger aus dem obigen Buch)

Gruß

Dirk

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Verschiedene Arten der Entwicklungshilfe…

Ich muss vorab sagen, dass ich natürlich bisher Entwicklungshilfe Amateur bin. Ich hab einiges zum Lesen und werde dabei sicher eine Menge lernen. Interessant fand ich den Artikel Chinas McKinsey in Afrika. Welche Art von Entwicklungshilfe ist effektiv und “richtig”?

Bislang habe ich folgende Varianten identifiziert, mal sehen welche ich noch finde:

  • Staatliche Unterstützung in Form von Geldern / Krediten
  • Unterstützung durch Spenden von Privatleuten und Unternehmen
  • Direktinvestitionen, wie im Artikel beschrieben
  • Direkte Umsetzung von Projekten durch Organisationen und Unternehmen

Alle haben Vor- und Nachteile in Effektivität und Wirkung kurz-, mittel- und langfristig. Überlegungen die mir dazu gemacht habe:

  • Führen Direktinvestitionen direkt in die Abhängigkeit? Gewinne werden wahrscheinlich in großem Masse an den Investor abgeführt – so dass der Anteil an Eigeninvestitionen in den folgenden Jahren eines wirtschaftlichen Erfolg wahrscheinlich eingeschränkt wird.
  • Gelder und Spenden haben das Risiko, eventuell in die falschen Taschen zu gelangen oder zu verpuffen wenn damit größtenteils konsumiert statt investiert wird. Auf der anderen Seite basiert ein sehr großer Anteil des Reichtums in unseren “westlichen” Ländern sicher auf der Ausbeutung u.a. auch von Afrika. Ist es da nicht nur fair, dass eigentlich eine Menge Geld zurückfließen sollte?

Hinter dem Ansatz des Corporate Service Corps steckt auch der Ansatz, keine “Scheckbuch” Entwicklungshilfe zu betreiben. Die Projekte werden als quasi professionelle Consultingprojekte betrieben, dabei wird auf die richtige Auswahl der Fähigkeiten der Teilnehmer geachtet und natürlich auch der Erfolg später hoffentlich messbar sein. Unterschied zu einem Kundenprojekt ist halt, dass keine Rechnung gestellt wird… :-)
(Das wird auch nochmal hier beschrieben).