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Kommentar zu: “Die unterste Milliarde…” (Paul Collier)

Kompletter Titel ist: “Die unterste Milliarde – Warum die ärmsten Länder scheitern und was man dagegen tun kann”

Ich hatte es in meinem vorhergehenden Beitrag angekündigt, nun habe ich das Buch von Paul Collier durchgelesen. Es gab natürlich wieder einige aha Effekte beim Lesen… Im Folgenden ein paar auserwählte:

Paul Collier geht davon aus, dass einige Länder in Fallen stecken, die sich weder allein durch gesteigerte Entwicklungshilfe (Sachs) oder durch den freien Markt (Easterly) lösen lassen:

1. Die Konfliktfalle – Konflikte sind extrem aufwendig und kostenintensiv. Dazu kommt, dass die Chance von Konflikten in Konfliktgebieten erheblich höher ist – ein Teufelskreis.
2. Die Ressourcenfalle – Paradox: Rohstoffe in Entwicklungsländer können sich als Fluch erweisen und auch in die Konfliktfalle führen.
3. Ohne Zugang zum Meer und von schlechten Nachbarn umgeben – Durch die künstliche Grenzziehung in der Kolonialzeit wurden Binnenländer geschaffen. Für diese gestaltet sich die wirtschaftliche Entwicklung besonders schwierig. Die Schweiz als europäisches Binnenland ist verkehrstechnisch sehr gut eingebunden und hat starke Nachbarn, die Märkte für die Schweiz darstellen. Beide Aspekte sind bei afrikanischen Ländern oft nicht gegeben.
4. Schlechte Regierungsführung …

Sehr gut finde ich, dass Paul Collier in seinem Punkt mögliche Lösungsansätze vorstellt, um aus den 4 Fallen zu entkommen.

Interessanter Fakt: Etwa 25% aller Mittel im Rahmen von Entwicklungshilfe wird in Form von “technischer Hilfe” erbracht (S.146 ff). Dabei werden kompetente Menschen geschickt und von den Gebern bezahlt. In diese Kategorie fällt auch unser Einsatz in Tansania. Technische Hilfe wird teilweise als kritisch bewertet – da die Empfänger ja kein Geld erhalten würden. Allerdings fehlt es eben nicht nur an Geld sondern oft auch an Kompetenz. Wichtig natürlich, dass die Mittel der Entwicklungshilfe zum richtigen Zeitpunkt und im richtigen Maß eingesetzt werden. Paul Collier beschreibt die technische Hilfe nach meinem Empfinden aber scheinbar mehr aus Sicht von Programmen auf staatlicher Ebene, weniger im Falle von Privatunternehmen, wie in unserem Fall.

Thema Freihandel & Handelsschranken:
Ein weiterer interessanter Einblick für mich, hatte dazu ja auch schon in einem früheren Post kommentiert. Weder absoluter Protektionismus auf der einen, noch komplette Liberalisierung auf der anderen Seite der Skala sind erfolgsversprechend. Komplett abgeriegelte, geschützte Binnenmärkte fehlt oftmals die Konkurrenz. Damit schützen hohe Zölle vor externen Einflüssen. Dies führte oft zu hohen Preisen über dem Weltmarktdurchschnitt und niedrigen Wachstumsraten. Oft sind lt. Paul Collier hohe Handelsschranken auch Quelle für Korruption im Umfeld des Zolls…
Dabei ist er keines Weges Befürworter eines “Big Bangs” in der Liberalisierung des Handels. Er befürwortet, Unternehmen, die eine Chance auf dem Weltmarkt haben, eben “nicht ins Wasser zu stoßen”, sondern Ihnen “das Schwimmen beizubringen”. (So ähnlich hatte ich das mit meinem Boxervergleich ja auch formuliert :-) )
Aber ein sehr wichtiger weiterer Aspekt ist der Zusammenhang zwischen starker Erhöhung der Entwicklungshilfe und gleichzeitig hohen Handelsschranken (S.202 ff.). Der Autor belegt dabei, dass beides miteinander nicht vereinbar ist:
“… Entwicklungshilfe steht in Konkurrenz zu Exporteuren.”
Der Mechanismus der dies auslöst ist der Wechselkurs. Dieser steigt durch Entwicklungshilfe, somit wird jeder durch Exporteure erwirtschafteter Dollar weniger wert – siehe dazu auch “holländische Krankheit”. Maßvolle Handelsliberalisierung parallel zur Entwicklungshilfe scheint da ein Mittel zu sein, wie Paul Collier beschreibt.

Fazit: ein sehr lesenswertes Buch, der Autor untersucht Ursachen, schlägt Lösungsansätze und eine Agenda zum Handeln vor.

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Jeffrey D.Sachs / William Easterly in Talks@Google Serie auf Youtube

Dank der Talks@Google Serie konnte ich mir einmal einen schnellen Überblick über den Standpunkt von Jeffrey D.Sachs verschaffen… Sehr interessant fand ich seine Ausführungen ca. um die Minute 29 herum, in der er darauf eingeht, daß der Markt eben nicht alle Probleme löst (Bezug auf Easterly) und gibt Beispiele für Probleme, die den Markt nicht interessieren… (Hintergrund der Rede ist auch sein Buch Wohlstand für viele: Globale Wirtschaftspolitik in Zeiten der ökologischen und sozialen Krise“).

httpv://de.youtube.com/watch?v=n3kzzVP2c7w#

Auch William Easterly kam in dieser Serie zu Wort, in dem er Theorien aus seinem Buch “The white mans burden…” vorstellt.

httpv://de.youtube.com/watch?v=o_H0g30YwQ8

Meines Erachtens etwas unschön ist, wie er darin mit seinem intellektuellen Widersacher Sachs umgeht. Beide haben das gleiche Ziel: Wege zu finden, wie Afrika die Armut hinter sich lassen kann. Beide bringen interessante Ideen und Theorien. Zudem haben beide nachvollziehbare Argumente, wo die Schwächen der jeweiligen Theorien des Anderen liegen. Damit wird eigentlich nur deutlich, dass beide nicht die vollständige und perfekte Lösung haben.

Das wird auch beim Lesen von Paul Colliers “Die unterste Milliarde: Warum die ärmsten Länder scheitern und was man dagegen tun kann” deutlich. Dazu jedoch in einem späteren Beitrag (bin noch nicht ganz durch).

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