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Jeffrey D.Sachs / William Easterly in Talks@Google Serie auf Youtube

Dank der Talks@Google Serie konnte ich mir einmal einen schnellen Überblick über den Standpunkt von Jeffrey D.Sachs verschaffen… Sehr interessant fand ich seine Ausführungen ca. um die Minute 29 herum, in der er darauf eingeht, daß der Markt eben nicht alle Probleme löst (Bezug auf Easterly) und gibt Beispiele für Probleme, die den Markt nicht interessieren… (Hintergrund der Rede ist auch sein Buch Wohlstand für viele: Globale Wirtschaftspolitik in Zeiten der ökologischen und sozialen Krise“).

httpv://de.youtube.com/watch?v=n3kzzVP2c7w#

Auch William Easterly kam in dieser Serie zu Wort, in dem er Theorien aus seinem Buch “The white mans burden…” vorstellt.

httpv://de.youtube.com/watch?v=o_H0g30YwQ8

Meines Erachtens etwas unschön ist, wie er darin mit seinem intellektuellen Widersacher Sachs umgeht. Beide haben das gleiche Ziel: Wege zu finden, wie Afrika die Armut hinter sich lassen kann. Beide bringen interessante Ideen und Theorien. Zudem haben beide nachvollziehbare Argumente, wo die Schwächen der jeweiligen Theorien des Anderen liegen. Damit wird eigentlich nur deutlich, dass beide nicht die vollständige und perfekte Lösung haben.

Das wird auch beim Lesen von Paul Colliers “Die unterste Milliarde: Warum die ärmsten Länder scheitern und was man dagegen tun kann” deutlich. Dazu jedoch in einem späteren Beitrag (bin noch nicht ganz durch).

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Kommentar zu “Wir retten die Welt zu Tode” (William Easterly)

Hi,

nun gleich ein zweiter Buchkommentar hinterher. Ich habe mir in den letzten Tagen William Easterlys Buch “Wir retten die Welt zu Tode: Für ein professionelleres Management im Kampf gegen die Armut” zu Gemüte geführt… Sehr interessant geschrieben, mit – für mich – wieder vielen interessanten Erkenntnissen.

Schwerpunkt des Buches liegt darin zu überprüfen, wie effektiv Entwicklungshilfeprogramme bislang funktioniert haben. William Easterly, New Yorker Professor für Ökonomie und Afrikastudien an der New York University hat selbst 16 Jahre für die Weltbank gearbeitet und daher eigene Erfahrungen mit Entwicklungshilfeprojekten gesammelt.

Er macht gleich zu Beginn eine Unterscheidung in zwei Gruppen:

Die Planer und die Sucher.

Dabei stehen im übertragenen Sinne die Planer für Vertreter planwirtschaftlicher Prinzipien, wobei die Sucher eher den freien Markt verkörpern. Derzeit werden große internationale Entwicklungshilfeprogramme eher von den Planern organisiert. Der Erfolg dieser Tätigkeiten in der Vergangenheit war eher bescheiden, lt. William Esterly liegt das auch nicht so sehr an der Höhe der Entwicklungshilfen (regelmäßig werden Erhöhungen eingefordert) sondern an der fehlenden Erfolgskontrolle. Heute wird in vielen Fällen der Erfolg nicht gemessen, so kann auch niemand verantwortlich für Erfolg oder Misserfolg sein. Entwicklungshilfe wird dabei mehr am Aufwand und weniger am Erfolg gemessen. Zudem verzetteln sich Organisatoren, die sich zu viele Ziele setzen… Spezialisierung in der Entwicklungshilfe wäre am effizientesten, allerdings versuchen wohl immer mehr Organisationen möglichst viel Probleme zu adressieren.

Zudem planen Planer am grünen Tisch über die aus Ihrer Sicht dringendsten Probleme, die gelöst werden sollen. Das Buch führt ein paar interessante Beispiele auf, um wieviel erfolgreicher ein eher bedarfsorientierter Ansatz ist. Die Betroffenen wissen in der Regel am besten über Ihre dringendsten Problem Bescheid. Der Sucher ist dann auf dem Wege, diese Probleme effizient zu lösen und wenn der Bedürftige Mittel besitzt oder bekommt, wird er diese Hilfe auch gern in Anspruch nehmen.

Es werden eine Reihe an Fehlern untersucht. So gibt es bei Infrastrukturthemen zwar Investitionen in den Bau, aber keine für Wartung und Unterhaltung. Das führt zum Teil dazu, dass die eben erst gebauten Strassen nicht gewartet und gepflegt werden. Neubauten sind eben eindrucksvoller darstellbar als Wartungsarbeiten an bestehenden Gebäuden… (das war übrigens auch ein Argument der Kritiker in der Diskussion zum Transrapid in München… Bund und Land wollten die Investition extrem unterstützen, allerdings wären die Betriebskosten wohl im Etat des öffentlichen Nahverkehrs von München hängengeblieben und hätten diesen massiv belastet).

Easterly empfiehlt in den sauren Apfel zu beißen und sich auch an den Betriebs- und Wartungskosten von Infrastruktur in Entwicklungsländern zu beteiligen.

Interessant auch die Weltbank Untersuchung zur Rendite von Investitionen: diese ist bei Lehrmitteln 14 mal so hoch als bei der Investition in materielle Anlagen. Dennoch ziehen nach Erfahrungen von Easterly Geldgeber markantere Gebäude als sichtbare Ergebnisse vor. Damit bleibt die Qualität in Bildungswesen weiterhin gering…

William Easterly entwickelte 3 Thesen:

  1. Die Funktionsfähigkeit einer Organisation sinkt mit der Zahl der gesetzten Ziele.
  2. Die Qualität einer Organisation steigt mit Ihrer Rechenschaftspflicht.
  3. Top-Down Planer sind durch mangelndes Wissen um die Realität an der Basis beeinträchtigt.

Diese Thesen untersucht er anhand des IWF (Internationaler Währungsfond) und findet dafür Belege in zahlreichen statistischen Betrachtungen.

Einen größeren Teil seines Buches nimmt auch die Betrachtung des Gesundheitswesens ein. Erschreckend – Studien in Kamerun, Guinea, Tansania und Uganda schätzen, dass 30 bis 70% der staatlichen Dokumente verschwinden, bevor sie den Patienten erreichen…

Auch die Diskussion, wie mit AIDS in Afrika umgegangen werden sollte, diskutiert Easterly sehr offen und interessant.

Er fasst seine Standpunkte zusammen:

Konzentration der Entwicklungshilfe auf das Wesentliche: Impfstoffe, Antibiotika, Nahrungsergänzungsmitttel, verbessertes Saatgut, Düngemittel, Straßen, Bohrlöcher. Wasserleitungen, Schulbücher und Krankenschwestern… Das resultiert in Gesundheit, Nahrung, Bildung und schafft die Grundlage für eigene nachhaltige Entwicklung.

Zusätzlich führt er dann auch die Vermittlung praktischem Wissens auf…

Je mehr ich über Entwicklungshilfe und Konzeptionen dazu lese, desto mehr gefallen mit die Projekte, an welchen wir uns im Rahmen unserer Aktivitäten einbringen. Wir bringen uns mit der Vermittlung praktischen Wissens in lokale Projekte ein, welche nach Möglichkeiten der Entwicklungshilfe suchen und auch Rechenschaft über ihre Erfolge legen. Gerade der durchgängige 5-stufige Ansatz bei Kickstart ermöglicht eine Bedarfsorientierung und Rechenschaftslegung über den Erfolg.

In einem weiteren Eintrag werde ich noch auf die von Easterly zum Schluß des Buches vorgeschlagenen Möglichkeiten der besseren Synchronisation zwischen Geldgebern, Entwicklungshelfern und Bedürftigen eingehen. Dazu lese ich gerade in der TAZ wieder ein paar interessante Aktivitäten.

Bei Amazon habe ich noch eine interessante Kritik eines Lesers gefunden, die zu Recht darauf hinweist, dass neben diesem dann auch noch Buch “Das Ende der Armut” von Jeffrey D. Sachs gelesen werden sollte. Easterly vertritt einen stark marktorientierten Ansatz, wobei wir wissen, dass der Markt auch nicht alle Probleme löst und teilweise auch reguliert werden muss…. Ich werde dieses Buch auf meine Liste stellen, allerdings möchte ich mich nun in der verbleibenden Vorbereitungszeit ein wenig mehr mit Land und Leute – besonders auch der Sprache – befassen.

Mein persönliches Fazit aus dem Buch:

Es ist sehr wichtig, die Effizienz der Entwicklungshilfe zu verbessern, Geld soll an der richtigen Stelle für wirklich benötigte Themen eingesetzt werden.

Dennoch denke ich, dass die zweite Dimension – die absolute Höhe der Entwicklungshilfe gern noch gesteigert werden darf. Es gibt sicher nicht zu wenig Projekte und Themen, die noch Unterstützung benötigen. Allerdings ist die Koordination Geld, Entwickler und Bedürftige sicher noch verbesserbar. Aber wie gesagt, dazu mehr in einem nächsten Beitrag.

Dirk

(in kursiv wieder markiert die mehr oder weniger direkt übernommenen Passagen aus seinem Buch)

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